Domino

DOMINO "I Am a Bounty Hunter" bzw. "Live Fast, Die Young" im deutschsprachigen Raum; Frankreich/USA; 2005



Ich besitze diese DVD schon etwas länger. Ich bin in einer Vorankündigung in der TV Movie Anfang des Jahres darauf aufmerksam geworden und habe mir den Film als er später verfügbar war sofort gekauft. Bisher war aber noch nicht der richtige Moment ihn zu sehen. Bis heute.

Als ich vor dem Sehen kurz IMBb (http://imdb.com/title/tt0421054/ ) abgefragt habe, um andere Stimmen zu lesen, war ich recht geschockt. Sollte ich so daneben gelegen haben?

Aber nein! Dies ist einer dieser Filme, die das so genannte "grosse Publikum" nicht versteht. Es ist eine Parodie. Voller Witz und Anspielung hinter einer Reihe Video-Clip-artiger Bilder und oberflächlicher Theatralik.

Der gesamte Film ist in die Ich-Erzählung der Hauptfigur Domino Harvey eingebettet. Wer mag, kann sich mit dem, was über das Leben dieser Kopfgeldjägerin bekannt ist, ausseinandersetzen. (zum Einstieg: http://de.wikipedia.org/wiki/Domino_Harvey)

Interessant war für mich unter anderem die "Beichte", dass sie den Job der Kopfgeldjägerin macht, um all die schlimmen Dinge zu tun, für die man sonst (in den USA) ins Gefängnis kommt. Das erinnerte mich an eine Erkenntnis, die ich schon anlässlich des Banditos-Prozesses hatte. -Wenn man in Deutschland Hocken fahren will und dabei eine Waffe tragen, dann sollte man besser zur Motorrad-Staffel gehen-

Apropos Hocken und Wummen. Der aufmerksame Cineast wird natürlich die Unmenge an Zitaten und Anspielungen in diesem Film erkannt und -jeder auf seine Weise- verstanden haben.

Zunächst einmal Mickey Rourke. Nach dem mehr oder minder glücklichen "Soft-Porno" 9 1/2 Wochen (http://imdb.com/title/tt0091635/) kannte ihn zwar die halbe westliche Welt, so richtig anfangen konnte der Mainstream aber trotzdem nichts mit ihm. Deshalb sind eine Reihe seiner besten Filme wie Thursday (http://imdb.com/title/tt0124901/) und natürlich Harley Davidson and the Marlboro Man (http://imdb.com/title/tt0102005/) entweder komplett unbeachtet geblieben oder nicht in ausreichendem Masse gewürdigt worden. Auch in DOMINO hat er wieder seinem "Kumpel" Stevie Ray Vaughan (http://de.wikipedia.org/wiki/Stevie_Ray_Vaughan) ein kleines Denkmal gesetzt. Diesmal im Waschsalon und nicht auf der Jacke.

Oder Delroy Lindo. Eigentlich spielt er immer nur eine Rolle. Immer zwielichtig aber stets sympathisch. Wie in Gone in 60 seconds (http://imdb.com/title/tt0187078/) steht er diesmal auch wieder formal auf der Seite des Gesetzes. Diesmal allerdings mit mindestens einem Bein auf der anderen. Zur Rettung der Figur muss allerdings gesagt werden, dass es auch hier wieder nur um gute und hehre Ziele geht, die allerdings im Verlauf der Geschichte etwas verloren gehen. Am Ende muss schon die Frage gestattet sein, ob dieses Ziel den Preis wert war.

Keira Knightley ist für die Besetzung der Domino Harvey sehr überzeugend. Man kann sie mögen oder nicht. Mir fällt keine aktuelle A-Klasse Schauspielerin ein, die sowohl Model als auch Kopfgeldjäger in dieser Weise verkörpern könnte.

Besonderen Respekt verdienen nach meiner Auffassung aber Ian Ziering und Brian Austin Green. Sie stellen sich selbst als ängstliche Beverly Hills Schauspiel-Weicheier dar. Entweder sind die beiden derart dumm, dass sie die gesamten Dreharbeiten nicht gemerkt haben, wie sie ununterbrochen abgekanzelt werden - oder, sie sind derart über sich erhaben, dass sie genau diese Art der Selbstparodie mitgespielt haben. Sie könnten natürlich auch nach dem Ende von Beverly Hills 90210 einfach nur verzeifelt sein und Rechnungen zu zahlen haben. Dies mutmasste ein Schreiber auch von Cristopher Walken.

Wenn ich mir aber die wirklich professionelle Umsetzung und die stimmig wiedergegebenen Clichees ansehe, so halte ich diesen Film unter seiner Popcorn-Oberfläche für eine sehr gelungene Parodie.

Nicht zuletzt der Auftritt von Tom Waits, der es nun wirklich nicht nötig hat, dummen Mainstream Trash zu produzieren, sollte zu denken geben. Mr. Waits - immer gern für Ironie und Zynismus zu haben - macht hier den weissagenden Prediger, der die ganze Story zu dem von ihm vorhergesagten Ende führt.

Besonders amüsant ist hierbei noch eine kleine Anspielung am Schluss des Filmes, in dem der Mafia-Boss den anonymen Tip eines FBI-Agents für den Nachfolger von Deep Throat hält. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich in Hollywood wohl gerade rumgesprochen, dass Mark Felt seinerzeit der Watergate-Informant war. (http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Felt)

Anders als die englischsprachigen Rezensenten von IMDb bin ich daher der überzeugung, dass es sich um einen sehr gut gemachten Film handelt, der einerseits unterhaltsames Popcorn-Kino bietet und andererseits eine Story die sich über viele Widersprüche aufspannt und in ihrer Vielschichtigkeit, mit ihrem Witz und Ironie durchaus Tiefgang besitzt.

Man müsste halt nur ein wenig Allgemeinbildung besitzen und etwas mehr Konzentrationsvermögen als "ein Frettchen auf Koks" besitzen.

Dieser Film hat das Zeug zum Klassiker. 8,5 von 10.

 

3.10.06 22:52

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Homira (8.10.06 16:59)
DOMINO:

ein toller film, fast detailgenau, sozialkritisch, wenn man den blick für diese komponente offenhält und auf eine seltsam komische art liebenswert...

der afghanische-fahrer:
seine flagge (wohl bemerkt aus der zeit seiner kindheit/jugend -1979 ff. aufstand der mujaheddin-), sowie sein am wagen schön platzierter spruch "chashme-baad-dur" (fern von bösen blicken) sind originalgetreu...
die sprache liess jedoch zu wünschen übrig... afghanen sprechen pashtu oder dari, jedoch nicht urdu, dieser ist die sprache der inder und pakistanis... allerdings ist zu erwähnen, dass fast alle afghanen dieser sprache mächtig sind...

ein angenehmer film, sofern man nicht allzu zarten gemüt hat :-)


Homira (8.10.06 21:08)
kaum geschrieben, schon gestolpert:

... die sprache liess jedoch zu wünschen übrig... afghanen sprechen pashtu oder dari, jedoch nicht urdu, DIESE ist die sprache der inder und pakistanis... allerdings ist zu erwähnen, dass fast alle afghanen dieser sprache mächtig sind...

ein angenehmer film, sofern man nicht allzu ZARTEN GEMÜTES ist



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